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Die Dolomiten

Déodat de Dolomieu, der Entdecker des Dolomitgesteins

Dolomit und Dolomiten

ein Gestein und ein Gebiet

 

Wenn man bedenkt, dass der Name „Dolomiten“ diese Berge erst seit kurzer Zeit bezeichnet, stellt sich einem spontan die Frage: Wie und wann haben die Bleichen Berge den Namen Dolomiten erhalten? Um auf diese Frage zu antworten, muss man sich mehr als zwei Jahrhunderte in der Zeit zurückversetzen, als der Marquis Déodat Guy Silvain Tancrède Gratet De Dolomieu (1750 - 1801) in den Jahren 1789/90 mehrere Reisen nach Südtirol unternahm, wobei er feststellte, dass: „bestimmtes Gestein, aufgefunden zwischen Bozen und Trient, ausgezeichnet durch eine weißliche Farbe sowie durch Hohlräume, die mit rhomboedrischen Kristallen bewachsen sind, bei Behandlung mit Säure nur schwach braust.“ De Dolomieu, ein extravaganter und abenteuerlustiger Mann mit einer Leidenschaft für Mineralien und Vulkane, wusste natürlich, dass gewöhnlicher Kalkstein, bestehend aus dem Mineral Calcit (CaCO³), mit Salzsäure stark aufbraust. Er übergab die Gesteinsproben einem Freund, dem Chemiker Nicolas Théodore De Saussure, Sohn des berühmten Genfer Wissenschaftlers und Alpinisten Horace Bénédict De Saussure, der im Jahr 1796 die Erstbesteigung des Mont Blanc organisierte.

 

N. T. De Saussure erkannte, dass dieser „pierre calcaire très peu effervescent“ nicht aus gewöhnlichem Calciumkarbonat (CaCO³) besteht und auch nicht aus Magnesiumcarbonat (MgCO³). Er fand heraus, dass es sich dabei um ein Calcium-Magnesium-Gemisch handelt, dessen chemische Formel CaMg(CO³)² lautet. The Dolomites MountainsDie spektakulären Bleichen Berge Südtirols bestehen also aus einem Material, dessen chemische Zusammensetzung bis zum damaligen Zeitpunkt unbekannt war. Dolomieu wollte das Gestein „Saussurite“ nennen, doch De Saussure, als er die Entdeckung bei einer wissenschaftlichen Konferenz 1796 vorstellte, benutzte den Namen „Dolomite“, zu Ehren seines Entdeckers.

 

Dass dieses Gestein existiert, wusste man schon vorher, denn es sind verschiedene Bezeichnungen dafür überliefert worden: Bitterspat, Rautenspat, Magnesiumspat, Muricalcite oder einfach nur Magnesiumcarbonat. Der neue Name „Dolomit“ stellte sich als unmittelbarer Erfolg heraus und setzte sich gegen alle anderen durch.

 

Bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts dachte jedoch niemand daran, den Namen eines Gesteins, mit dem nur einige Spezialisten vertraut waren, auf ein ganzes Gebiet auszudehnen. Dies geschah als die ersten Alpinisten und englischen Touristen die verzauberte Welt der Bleichen Berge „entdeckten“: 1864 veröffentlichten in London der Maler Josiah Gilbert und der Naturforscher George C. Churchill ein Buch mit dem Titel "The Dolomite Mountains", in dem sie ihre, in den Jahren 1861/62/63 durchgeführten Ausflüge in Tirol, Kärnten, Krain und Friaul detailliert beschrieben und abschließend ein Kapitel über die „physical description of the Dolomite districts“ einfügten. Die Bezeichnung Dolomiten für das ganze Gebiet wurde aber nicht ohne Weiteres akzeptiert. Noch im Jahr 1879 kritisierte der Geologe Edmund Mojsisovics die verbreitete Angewohnheit eine ganze Zone nach einem Gestein zu benennen, indem er zu Recht bemerkte, dass es Berge, bestehend aus Dolomit, in vielen anderen Gebieten auch gibt. Bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts gab es nur wenige Veröffentlichungen, in denen ausdrücklich der Name Dolomiten benutzt wurde, denn der Corvara 1906Großteil der Wissenschaftler tendierte noch immer dazu dieses Gebiet mit dem vagen Namen „Südtirol und Venetien“ zu bezeichnen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Bezeichnungen Dolomiten und Dolomitenregion in den Allgemeingebrauch aufgenommen.

 

Heute lernen die Kinder in der Schule, dass die märchenhaften Berge, die sie umgeben, die Dolomiten sind. Besonders Kinder finden diese Bezeichnung passend, denn der erste Teil, Dolo...: „klingt harmonisch, fast rundlich, wie die Landschaft welche die Dolomiten umgibt, während der zweite Teil, ...miti, die Fantasie anregt.“ Wenn man dann an den Namen des Entdeckers des Dolomitgesteins denkt, Déodat Guy Silvain Tancrède Gratet De Dolomieu, sind wahrscheinlich viele erleichtert, dass sie sich nur den letzten Teil des Namens merken müssen. Wirklich glücklich schätzen können sich jene, die in den Dolomiten leben dürfen, ein Paradies das heute in der ganzen Welt bekannt ist!

 

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