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Die Dolomiten

Die ladinischen Dolomiten sind in zwei Regionen und drei Provinzen unterteilt

Die ladinische Sprache

 

"Danter nos baiunse ladin, deache chësc é nosc lingaz dla uma. Mo val’ iade ti dunse inće a nüsc ghesć le bëgnodü por ladin."

 

Diese Sätze in ladinischer Sprache, deren Sinn der eine oder andere vielleicht sogar erahnen kann, haben folgende Bedeutung: „Unter uns sprechen wir Ladinisch, weil das unsere Muttersprache ist. Aber manchmal begrüßen wir auch unsere Gäste auf Ladinisch!“
Die ladinische Sprache ist die Muttersprache der Bewohner des Gadertales, aber auch der nahe gelegenen Grödner-, Fassa-, Buchenstein- und Ampezzo-Täler. Aus historischer, linguistischer und kultureller Sicht stellen diese fünf Täler eine Art Übergangsgebiet dar zwischen dem deutschsprachigen Tirol und den italienischsprachigen Trentino und Venetien.

 

In den vier Tälern rund um den Sellastock – Gader-, Grödner-, Fassa- und Buchensteintal – und im Ampezzo sind ungefähr 35.000 Personen wohnhaft. Der Großteil davon ist ladinischer Muttersprache. Die Sprache ist das Hauptmotiv, welches die Forderung der Ladiner, eine eigenständige ethnisch-linguistische Gruppe zu bilden, rechtfertigt.

 

Alunni 1940Woher kommt die ladinische Sprache?

Einige Besucher unserer Gegend fragen sich sicher nach der Herkunft dieser Sprache, aber da man auch von Ladinern selbst nicht immer eine zuverlässige Antwort erwarten kann, haben wir beschlossen, über unsere Internetseite Informationen diesbezüglich zu liefern.

 

Trotz seines „antiken“ Ursprungs wurde Ladinisch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Wissenschaft als Sprache anerkannt. Forscher entdeckten sie in drei verschiedenen linguistischen Inseln: in Graubünden in der Schweiz, in den Dolomiten und im Friaul. Die Glottologen bemerkten, dass die ladinische Sprache zahlreiche Merkmale des regionalen Sprechlateins aufweist, das sich nicht nur in der Poebene, sondern auch in den drei römischen Provinzen Venetia et Histria, Raetia und Noricum durchgesetzt hatte. Die ladinische Sprache bewahrte phonologische und lexikalische Merkmale dieses Dialekts der Räter und Noriker. Diese gehen auf die Zeit vor der Romanisierung und vor der Geburt der ladinischen Sprache zurück und werden noch heute gebraucht, wie zum Beispiel baràntl (Latschenkiefer), brama (Sahne), ciamùrc (Gämse), cìer (Zirbelkiefer), crëp (Fels), dàscia (Tannenzweig), dlasena Abbecedario Ladino(Heidelbeere), nìda (Molke), ròa (Erdrutsch von kieselförmigen Material), aisciöda (Frühling). All diese Begriffe gehören einem Sprachrepertoire an, das speziell in Berglandschaften benutzt wird und wofür es im Sprechlatein wahrscheinlich keinen treffenden Ausdruck gab. Die ladinische Sprache, die in einigen Gebieten mehr keltische Merkmale aufweist und sich in anderen Zonen durch vorwiegend alpines Sprechlatein auszeichnet, ist also eine direkte Weiterführung des gegen Ende des Römischen Reiches in den Alpen gesprochenen Lateins.

 

Der erste Wissenschaftler, der eine linguistische Verwandtschaft zwischen den drei „ladinischen“ oder „rätoromanischen“ Sprachinseln bewies, war der Italiener Graziadio Isaia Ascoli. Er vertrat die Hypothese, die besagte, dass zur Zeit des Römischen Reiches eine einheitliche Sprache ohne Unterbrechung im ganzen Alpenbogen gesprochen wurde: von der Donau im Norden bis zum Gardasee im Süden, vom Schweizer St. Gotthard-Pass im Westen bis nach Triest im Osten. Die Existenz dieser einheitlichen „Ursprache“ ist heute durch Studien im Gebiet der Toponomastik bewiesen, die bekanntlich zu den konservativsten Teilen einer Sprache gehört. In der Tat stimmen viele Ortsnamen in Graubünden, in den Dolomiten und im Friaul überein und dieser gemeinsame lateinische Ursprung zeigt auch die Ausbreitung des Römischen Reiches und den Einfluss, den die Romanisierung ausübte.

 

Die Varianten der ladinischen Sprache

Die ladinische Sprache, die heute in einigen Teilen der Dolomiten sowie in Graubünden gesprochen wird, weist eine weitgefächerte interne Gliederung auf. Das Ladinische, welches im Gadertal gesprochen wird, besteht aus den Idiomen Badiot in Hochabtei, Ladin de Mesaval in der Gemeinde St. Martin und Marô in der Gemeinde Enneberg. Im Grödnertal wird die Variante Gherdëina gesprochen. Gleich wie das Gadertal, besitzt auch das Fassatal drei Varianten: Cazet im Hochtal; Brach im Mittelteil, von Soraga bis Mazzin; und Moenat, die Mundart von Moena. Im Buchensteintal spricht man Fodom und in Cortina d'Ampezzo Anpezan.

 

Die ladinische Sprache weist heute in allen ihren Varianten Spuren auf, die auf die langjährigen Kontakte wirtschaftlicher und kultureller Natur mit den zwei angrenzenden, anderssprachigen Gebieten, zurückgeführt Ladin signs Dolomiteswerden können. Sie enthält viele Elemente, die von norditaliensichen Dialekten abstammen, aber auch von bayerischen Dialekten aus dem Mittelalter sowie von der deutschen Standardsprache.

 

Neben der ladinischen Sprache sind in den Dolomitentälern nämlich auch die deutsche und italienische Sprache vertreten. Heute ist eine totale Einsprachigkeit, die für lange Zeit die verschiedenen Sprachgruppen voneinander trennte, nicht mehr möglich.

 

Die besonderen geschichtlichen und sozialen Entwicklungen, die Lage zwischen zwei verschiedenen Kulturkreisen (deutsch und italienisch), der starke wirtschaftliche Aufschwung des Tourismus in den letzten Jahrzehnten, aber auch die Massenmedien haben den Ladinern zur Mehrsprachigkeit verholfen. Da Touristen aus den verschiedensten Ländern in die Dolomiten kommen, ist eine bestimmte sprachliche Flexibilität unabdingbar, die in den ladinischsprachigen Tälern dank einer eigenen Schulordnung garantiert wird. Auch wenn die Ladiner eine diskrete sprachliche Kompetenz in Deutsch und Italienisch besitzen, ist es interessant zu bemerken, dass vor allem ältere Menschen nur zwanglos sprechen, wenn sie ihre Muttersprache benutzen. Es gäbe noch viele weitere Situationen, in denen die Wertschätzung der Ladiner gegenüber ihrer Sprache und ihrer Identität zum Vorschein kommt. (W. Pescosta)

 

 

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