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Die Dolomiten

Die Naturparks von Südtirol

Die Naturparks

 

„Wir sollten uns überzeugen, dass unsere Nachfahren, vor allem dort wo die Natur noch intakt ist, sicher dankbarer sind für etwas, das hätte gebaut werden sollen aber dann doch nicht realisiert wurde, als für etwas das effektiv errichtet wurde.“ (S.O.S. Gherdëina '95)

 

Ab den Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts löste der enorme wirtschaftliche Aufschwung in den ladinischen Tälern der Dolomiten eine unaufhaltsame Investitionslust aus, die zu einer zügellosen Erweiterung bzw. Errichtung von Aufstiegsanlagen und Skipisten führte und somit einschneidende Veränderungen in den kleinen Bergdörfern und in der umliegenden Landschaft mit sich brachte. Um die negativen Auswirkungen dieser touristischen Monokultur einzuschränken, wurden in diesen Jahren verschiedene Umweltbewegungen Lech Vërt Fanesgegründet, die sich für die Sensibilisierung der Bevölkerung einsetzten, insbesondere der Unternehmer und potenziellen Investoren. Sie versuchten ihnen eine kritische Meinung anzueignen und ihnen das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung näher zu bringen. Auch wenn die Umweltorganisationen die negativen Konsequenzen des Massentourismus nicht gänzlich verhindern konnten, so haben sie es doch geschafft, dass ihre Ideen und ihre Wertschätzung der Natur nach und nach in das Programm verschiedener politischer Parteien, nicht nur der Grünen, aufgenommen wurden. Die Errichtung der Naturparks vonseiten der Provinzen und Regionen war ein erster wichtiger Schritt in Richtung Schutz und Bewahrung des natürlichen Erbguts der Dolomiten.

 

In den „zentralen“ Dolomiten gibt es drei Naturparks, die für die Unversehrtheit der Landschaft sorgen: Der Naturpark Puez-Geisler, der 1970 gegründet und 1978 erweitert wurde, gefolgt vom Naturpark Fanes-Sennes-Prags, der 1980 errichtet wurde, und vom Naturpark Ampezzaner Dolomiten, der seit 1990 besteht.

 

Lilium MartagonDer Naturpark Puez-Geisler erstreckt sich über eine Fläche von 10.196 Hektar und umfasst teils die Gemeinden Abtei, Corvara und St. Martin in Thurn im Gadertal, die Gemeinden St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein in Gröden sowie Villnöss. Das geschützte Gebiet ist im Norden vom Würzjoch und von den Hängen der Aferer Geisler begrenzt; im Süden vom Sassongher, vom Sas Ciampac und den Cirspitzen, die das Grödner Joch überragen; im Osten reicht der Park bis zum Antersasc Tal und zum Fuß des Gardenazza; im Westen bis zum Villnöss- und zum Langental, ein Seitental des Grödnertals. Die geologischen Besonderheiten, wie Amphitheater, Höhlen, natürliche Bögen, Felszinnen und bizarre Erosionsformen sind Erscheinungen von rarer Schönheit und bilden einen der interessantesten Aspekte des Naturschutzgebietes, das außerdem mit einer typischen Flora und Fauna der Dolomiten gekennzeichnet ist. Vor allem in den weniger besuchten Gebieten, wie Antersasc, kommt es häufig vor, dass man Gämsen und Murmeltiere antrifft und mit ein bisschen Glück sieht man sogar den Königsadler. Auf dem gut ausgeschilderten Wegenetz, welches das Gebiet durchläuft, kann das gesamte Naturschutzgebiet erkundet werden. Einer dieser Wege ist der berühmte Höhenweg der Dolomiten Nr. 2, der den Park von Norden nach Süden durchquert, aber auch der Günther-Messner-Steig (Klettersteig) hinterlässt atemberaubende Eindrücke. Dieser Klettersteig ist nach dem berühmten Alpinisten aus dem Villnösstal benannt, dem jüngeren Bruder von Reinhold Messner, der im Jahr 1970 nicht mehr von ihrer gemeinsamen Expedition auf den Nanga Parbat zurückgekehrt ist.

 

Der Naturpark Fanes-Sennes-Prags ist, mit seinen 25.680 Hektar Fläche, einer der größten und wahrscheinlich eindrucksvollsten Gebiete Südtirols. Er erstreckt sich von den Hängen der Olanger Dolomiten im Norden bis zum Höhlensteintal im Osten. Richtung Westen reicht er bis zum Gebirgskamm zwischen Peres- und Conturinesspitze im Gadertal und die Grenzlinie im Süden befindet sich zwischen den Flüssen Rienz und Boite. Am Anfang war die Errichtung des Naturparks ein sehr umstrittenes Thema gewesen. Naturschützer waren dafür, aber gleichzeitig gab es einige Gegner, die im Naturpark ein Hindernis für die Entwicklung des MarmottaTourismus sahen. Trotz der anfänglichen Bedenken wurde bald klar, dass der Schutz dieses Gebietes eine wichtige Bereicherung für alle ist.
Die Almen Fanes, Fodara Vedla und Senes liegen im zentralen Teil des Naturparks, der teilweise die angrenzenden Gemeinden Enneberg, Prags, Olang, Wengen und Abtei umfasst. Die einzigartige Landschaft des Naturschutzgebiets verdient einen Besuch: Nicht nur wegen der interessanten geologischen Strukturen und der charakteristischen Flora und Fauna, sondern auch aufgrund der anmutenden Panoramen. Eindrucksvoll ist der Grünsee auf der Fanes-Alm, in dessen dunkler Wasseroberfläche sich das ihn umgebende Amphitheater aus Kalk spiegelt oder die dichten, regelmäßigen Stufen des legendären „Parlaments der Murmeltiere“. Außerdem umfasst der Naturpark unzählige Gipfel, die zu den schönsten der Welt zählen und die reichlich Anregungen für Wanderliebhaber liefern. Weiter bietet er Weiden und Wiesen, die leicht erreichbar sind, wie die bezaubernden Armentara-Wiesen mit ihrer reichen Vielfalt an Pflanzen und Blumen.
Der Park ist mit einem dichten Netz von gut gekennzeichneten Wanderwegen und mit einigen strategisch positionierten Hütten versehen. Auf diese Weise können die Wanderer und Ausflügler problemlos und angenehm die Schönheit der einzigartigen Naturlandschaft genießen. Durch den Park führt auch der Höhenweg der Dolomiten Nr. 1, auch bekannt als „der klassische Weg“, weil er der erste Pfad war, der begangen wurde.

Potentilla reptans 

Der Naturpark der Ampezzaner Dolomiten wurde von der Region Venetien errichtet, welche die Comunanza delle Regole d'Ampezzo mit der Verwaltung des Naturparks beauftragt haben. Diese aus der Zeit der keltischen und römischen Besiedlung stammende Einrichtung, war ein Konsortium alteingesessener Familien, das die gemeinschaftliche Nutzung der Weiden und Wälder gewährleisten sollte und sich stets um Landschaftspflege und -schutz gekümmert hat. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich keilförmig, mit zwei seitlichen Verzweigungen, über eine Fläche von 11.200 Hektar, nördlich der Ortschaft Cortina d'Ampezzo, nahe der Grenze zwischen Südtirol und Venetien. Im Norden grenzt es an den Naturpark Fanes-Sennes-Prags, mit dem gemeinsam es ein 37.000 Hektar großes Naturschutzgebiet bildet, das sich durch ähnliche landschaftliche Gegebenheiten auszeichnet.

 

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